Das Dosierte Leben
Das Dosierte Leben No. 20- Sex
Das Dosierte Leben No. 20 - Sex

Die beste Ausgabe des DOSIERTEN LEBENS bisher, was vielleicht am Meta-Thema "Sex" liegt, vielleicht aber auch ein wirkliches Hoch ist, oder nur daran liegt, daß die einen Beitrag von mir abgedruckt haben. Egal, voller gewandtem Witz, Dadaismus (na klar!) und tollen Jugenderinnerungen, ist das beste am DDL daß es sich nicht festlegen läßt und immer Platz für neue, junge Ideen hat und bereit ist alte Ideen gnadenlos über Bord zu kippen. Da braucht man gar nicht besonders offen oder intellektuell zu sein, eine normale Dosis Humor und Freude an Sprache reicht schon aus.



 
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Im Grunde bietet das Dosierte Leben alles was man an Leseinhaltstoffen brauchen kann, komprimiert und geklammert innerhalb seines Einbandes und das ist doch was Schönes. Da gibt es Buchbesprechungen, Gedichte, Collagen, Aufsätze, Faksmilies, Erläuterungen, Banales, Kunst und immer wieder den Hinweis darauf, daß eine Portion Humor im Leben was verdammt Nützliches und Wichtiges ist.

"Sex" als Thema zu wählen klingt vorerst ja mal banal und plakativ, reißerisch und überhaupt "sex sells" und was ist sonst noch wichtig? So ist es aber eben nicht im Dosierten Leben. Hier wird das Thema von all jenen Seiten beleuchtet, die sonst zu kurz kommen. Zu meiner Beschämung muß ich gestehen, daß mein Beitrag noch am ehesten all den oben genannten Attributen entspricht. Aber egal. Das Impressum wird zur Domina, die wichtigsten deutschen Nachrichtenblätter sind "Sexy" und "Schlüsselloch", über die "Fleischwaren-FKK-Teletubbies"-Collage hab' ich mich krank gelacht und hab mich noch nie so eingehend mit Zugansagen beschäftigt. Und alles in diesem unnachahmlichen Schnippel-Layout (Britt rules!) daß an jeder Ecke irgendeine Kleinigkeit fürs Auge bereithält. So macht das Spaß.

Natürlich kommt der Dadaismus nicht zu kurz, wie sollte er auch, die Zeitschrift handelt ja vom Leben und wenn irgendwas dadaistisch ist, dann das Leben.

Die Ausgabe ist so gut, daß ich sogar die Gedichte gelesen habe, was ich sonst nie mache.


Sex (von George Cracked)

In einer Talkshow (fragen Sie bloß nicht in welcher, wer ist noch fähig, all das Durcheinander auseinander zu halten!) bekannte eine knapp sechzigjährige Hausfrau mir Erlaubnis ihres Mannes fremdzugehen. In den letzten zwanzig Jahren ihrer Ehe machte sie das nun regelmäßig, beinahe täglich. Und in dieser Zeit hat sie einen absurden Religionsfanatismus entwickelt (als Rechtfertigung vor sich selber?) und hält nun täglich eine einstündige Mahnwache bei ihrer Friedhofskapelle ab, um für all die "ungewollten Kinder dummer Mütter" zu beten. In Kurzform klang das bei der Dame so: "Zuerst kommt Sex, dann Liebe, dann das Gebet und dann Ekstase." Nun denken Sie, endlich eine Sektengründerin mit den richtig gesetzten Prioritäten, und vielleicht liegen sie da auch richtig.
Sex ist eine wichtige Sache, keine Frage, aber können Sie einfach so fragen? Treten Sie an die nächstbeste Dame in der Straßenbahn heran und eröffnen Sie das Gespräch mit einem freundlichem: "Wie wurden Sie denn entjungfert?" (Ein kleiner Tipp: fragen Sie keine Nonne.) Die Antwort würde Sie natürlich brennend interessieren aber in drei von vier Fällen werden Sie nur auf Unverständnis und Fassungslosigkeit stoßen und wenn Sie ein Mann sind auch noch ein Aufruhr verursachen. Am besten fragen sie also nur jede vierte Dame. Bleiben Sie freundlich in dem Gespräch, auch wenn Sie unfassbaren Schwachsinn aufgetischt bekommen, wie "das war auf Landschulwoche in der vierten Klasse da hat mich der süße Tobias aus der Nebenklasse betrunken gemacht und vernascht, wollte aber nachher nicht fest mit mir gehen" oder "technisch habe ich das selber in der Badewanne gemacht, mit einer Barbiepuppe" oder "was heißt entjungfert?" oder "von meinem Vater". (Noch ein Tipp: fragen Sie keine Dame unter 18 Jahren. Das ist mehr als eine Anstandsfrage. Unter Umstände erfahren Sie sonst, Dinge, die Sie gar nicht wissen wollten.)
Als nächste Frage sollten Sie geschickt wählen und auf die Antwort abgestimmt weiter vorgehen. Fragen Sie nach sexuellen Vorlieben, nach aktuellen Partnerschaften, dem abartigsten Sex - Erlebnis oder ähnliche unverfänglichen Dingen ihrer neuen Bekanntschaft, das vertieft den Eindruck, den Sie hinterlassen, deutlich. Gehen Sie so weiter vor. In einem völlig unerwarteten Moment springen Sie auf und laufen mit einem "Hier muß ich aussteigen!" zur vordersten Tür des Waggons und rütteln daran bis Sie aussteigen können. Winken Sie der Dame von außen noch einmal zu, auch ein zugeworfener Kuss ist möglich. Vermeiden Sie es aber tunlichst, die soeben erfahrenen Intimitäten laut durch den Waggon zu rufen. Schreiben Sie sie lieber in ihr Tagebuch, oder bieten Sie der RTL - Inforedaktion für eine Senderreihe an. Mit diesem Erfahrungsschatz in ihrer Tasche, sollten Sie leicht so berühmt werden können wie Jenny Elvers oder die Frau von Jürgen Drews, und das ohne Milch aus ihrem Busen spritzen zu können. Ist das nicht super.

 

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